
Zürich war und ist Standort einflussreicher Wirtschaftsunternehmen. Vier zwischen 1914 und 1945 entstandene Kurzfilme erinnern an das Zunftwesen, geben Einblick in die halbindustrielle Herstellung von Lederprodukten, veranschaulichen Produktionsprozesse der Maschinenindustrie und Funktionsweisen der Finanzwirtschaft. In ihnen lässt sich der Wandel von der kleingewerblichen zur industrialisierten und international vernetzten Ökonomie nachvollziehen. Zugleich spiegeln sie die jeweiligen Machtverhältnisse. Insbesondere Wirtschafts- und Industriefilme standen im Dienst ihrer jeweiligen Auftraggeber:innen. Wertschöpfung und globale Zusammenhänge werden affirmativ inszeniert. Effiziente Produktion, Waren aus europäischen Kolonien und gewinnbringende Exportmärkte erscheinen als selbstverständlicher Teil nationaler Stärke. Die negativen Aspekte dieser Strukturen und ihre Folgen für Mensch und Umwelt bleiben hingegen unsichtbar. Drei kritische Perspektiven aus den 1930er-, 1970er- und 1980er Jahren setzten dem andere Wirklichkeiten entgegen.

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse
Die Zürcher Frühjahrs-Festtage April 1914 wurde von der deutschen Firma Welt‑Kinematograph (Freiburg i. Br.) vermutlich als Wochenschaubeitrag produziert. Er zeigt Feierlichkeiten rund um das Zürcher Sechseläuten sowie die Einweihung des neuen Universitätshauptgebäudes am 20. April 1914, wenige Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Organisiert wird der Sechseläuten-Umzug bis heute vom Zentral-Komitee der Zünfte Zürichs. Als Zusammenschluss von Handwerkern und Kaufleuten prägten die Zünfte über Jahrhunderte das wirtschaftliche, politische und kulturelle Leben der Stadt. Das Thema des Festzugs hiess «Bilder aus der Geschichte des wissenschaftlichen Lebens». Die problematischen stereotypen Darstellungen anderer Kulturen, etwa in Form rassistischer Blackface-Kostümierungen, verweisen auf bestehende Macht- und Wirtschaftsverhältnisse. Obwohl die Schweiz selbst keine Kolonien besass, war sie wirtschaftlich, kulturell und personell tief in koloniale Strukturen eingebunden.

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Collection iconographique Cinémathèque Suisse

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, Weltkinematograph / Welt-Film, 1914, Cinémathèque suisse
Die Zürcher Frühjahrs Festtage April 1914, 1914, DE

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse
Der Film Die Lederfabrikation dokumentiert anschaulich die Verarbeitung von Tierhäuten zu Leder in Meilen am Zürichsee und führt durch zentrale Produktionsschritte wie das Weichen, Enthaaren, Gerben, Walzen und Schneiden. Seit 1723 war die Familie Wunderly im Besitz der Gerberei, die im 19. Jahrhundert zur Fabrik ausgebaut wurde. Ein Zwischentitel im Film hebt die Bedeutung der Lederverarbeitung für die Schweizer Volkswirtschaft hervor. Zum Zeitpunkt der Existenz der Firma Wunderly & Co. – 1771 bis 1931 –, war die Lederproduktion im ländlichen Raum des Kantons Zürich ein wichtiger Wirtschaftszweig, der jedoch im 20. Jahrhundert an Bedeutung verlor. Der Film entstand vermutlich 1923, nur wenige Jahre vor der Schliessung der Gerberei 1931.

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Lederfabrikation, [1923], Cinémathèque suisse
Die Lederfabrikation, [1923], CH

Unruhige Zeiten: Streik der Schneiderinnen und Schneider, Zürich 1931 (Foto: unbekannt), Schweizerisches Sozialarchiv

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Solidarität, Robert Risler, 1934, Cinémathèque suisse
Solidarität nannte der Amateurfilmer Robert «Boris» Risler einen kurzen Film, der 1934 eine Hilfsaktion für Arbeitslose während der Weltwirtschaftskrise der 1920- und 1930er Jahre dokumentiert. In einfachen Bildern zeigt der mit wenig Mitteln realisierte Film wartende Menschen, die mit Sauerkraut, Würsten oder Kleidungsstücken versorgt werden. Auf einem Zwischentitel heisst es schlicht: «Für die Arbeitslosen». Aufgrund von teurem Filmmaterial und der aufwendigen Produktion gab es zum damaligen Zeitpunkt kaum private Filmproduktionen. Das Werk Robert Rislers, Aktivist der Sozialistischen Arbeiterjugend Zürichs und Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, stellt eine der wenigen Ausnahmen dar. Solidarität ist Teil eines kleinen filmischen Werks, zu dem etwa auch der im gleichen Jahr realisierte Film Der rote Tag gehört, der sich mit den Kämpfen der Arbeiterbewegung auseinandersetzt. Das Medium Film entwickelte sich ab den 1930er Jahren immer stärker zum Propagandavehikel für Gewerkschaften, die sozialdemokratische Partei oder links regierte Städte.
Solidarität, Robert Risler, 1934, CH

Fotogramm, Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, 1939, Cinémathèque suisse
«Wenn eine Fabrik vollbeschäftigt ist, dann werden auch die Aktien dieses Unternehmens gesucht sein und die Kurse werden steigen. Als die Bundesbahnen elektrifiziert wurden, hatten grosse Werke wie Brown Boveri, Maschinenfabrik Oerlikon und Schweizerische Lokomotivfabrik Winterthur auf Jahre hinaus zu tun. Das regte zum Kauf solcher Titel an, die Kurse stiegen.»
Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, 1939
«Die Kursbildung an der Börse hängt also aufs Engste mit dem pulsierenden Wirtschaftsleben zusammen. Die Börsen sind das Barometer der Wirtschaftslage.»
Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, 1939
Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage (1939) wurde von der Zürcher Börse in Auftrag gegeben und im selben Jahr an der Schweizerischen Landesausstellung (Landi) in Zürich aufgeführt. Realisiert wurde er von einem Vertreter der Avantgarde: Der deutsche Künstler und Dadaist Hans Richter wandte sich ab den 1920er Jahren dem Film zu und war während des Zweiten Weltkriegs zeitweise im Schweizer Exil als Regisseur und Produzent tätig. Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage gehört damit zu den bekannteren Auftragsfilmen, die neue und experimentelle Darstellungsweisen erprobten.

Fotogramm, Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, 1939, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, 1939, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, 1939, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, 1939, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, 1939, Cinémathèque suisse
Der erste Teil des Films entfaltet eine historische Erzählung: Von einfachen Tauschsystemen über Entwicklungen von Märkten, Messen und globalen Handelsbeziehungen bis hin zu entmaterialisierten Geldflüssen wird eine kontinuierliche wirtschaftliche Entwicklung nachgezeichnet. In rasant montierten Sequenzen zeigt Richter im zweiten Teil das hektische Treiben auf dem Börsenparkett. Geschrei, gestikulierende Hände, nervöse Gesichter verdichten sich zu einem Bild von Überforderung und Dynamik. Der dritte Teil verdeutlicht den Zusammenhang zwischen hoher und niedriger wirtschaftlicher Produktion und den global gesteuerten Kursschwankungen an der Börse. Der Film entstand in einer Zeit wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit und will einem breiten Publikum die Rolle und Funktionsweise der Börse als zentralem Element der modernen Volkswirtschaft nahebringen.
Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, 1939, CH

Werkhalle, Oerlikon-Bührle, um 1940, Fotografie: Ernst Koehli
«Durch ihre Filialen und Vertretungen steht die Maschinenfabrik Oerlikon mit der ganzen Welt in Verbindung. So fand ein grosser Teil ihrer Produkte den Weg in fremde Länder.»
Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, 1945
Die 1876 gegründete Maschinenfabrik Oerlikon produzierte Werkzeuge und Maschinen und spielte eine tragende Rolle bei der Entwicklung von elektrisch betriebenen Lokomotiven. Der von Max Haufler realisierte und von der Gloriafilm produzierte Repräsentationsfilm Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse (1945) zeigt die zentralen Produktionsbereiche und Fertigungsschritte, von der Montage über Schweissarbeiten bis zum Export fertiggestellter Maschinen. Dabei entsteht ein Bild von Effizienz, Präzision und technologischem Können. Im Kontext der Nachkriegszeit fungiert der Film zugleich als wirtschaftspolitisches Statement: Die Schweiz als Exportnation, ihre Industrie als Garantin von Stabilität und Fortschritt.

Fotogramm, Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, Max Haufler, 1945, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, 1939, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, Max Haufler, 1945, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, Max Haufler, 1945, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, Max Haufler, 1945, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, Max Haufler, 1945, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, Max Haufler, 1945, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, Max Haufler, 1945, Cinémathèque suisse
Im Unterschied zu früheren Industriefilmen rückt Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse auch die Arbeiter:innen ins Bild: Ihre fachlichen Kompetenzen, die effiziente Zusammenarbeit, die Ausbildungsmöglichkeiten innerhalb der Firma sowie die enge Bindung zwischen Leitung und den generationenübergreifend tätigen Familien werden hervorgehoben. 1967 ging die Fabrik in das Unternehmen Brown, Boveri & Cie. über; heute erinnert der MFO-Park auf dem ehemaligen Fabrikareal als öffentlicher Raum an die Deindustrialisierung, die Zürich bis in die Gegenwart prägt.
Die Maschinenfabrik Oerlikon und ihre Erzeugnisse, Max Haufler, 1945, CH
Les Ateliers de Construction Oerlikon et leurs produits, Max Haufler, 1945, CH

Fotogramm, Arbeiterehe, Robert Boner, 1973, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Arbeiterehe, Robert Boner, 1973, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Arbeiterehe, Robert Boner, 1973, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Arbeiterehe, Robert Boner, 1973, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Arbeiterehe, Robert Boner, 1973, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Arbeiterehe, Robert Boner, 1973, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Arbeiterehe, Robert Boner, 1973, Cinémathèque suisse
Bei dem 1973 von Robert Boner realisierten Kurzfilm Arbeiterehe handelt es sich weder um ein Auftragswerk noch um einen Dokumentarfilm, der im Kontext sozialer Bewegungen entstand oder sich aufklärerisch in gesellschaftspolitische Debatten einbringen will. Der einzige fiktionale Film in der Ausstellung erzählt in schlichten Bildern vom Alltag eines italienischen Arbeiterpaars in der Schweiz und deren Tagesablauf zwischen Nachtschicht und Reinigungseinsatz. Der Mann kommt müde aus der Fabrik, die Frau verlässt kurz darauf das Haus zur Arbeit. Ihr gemeinsames Leben reduziert sich auf wenige Abendstunden in beengten Wohnverhältnissen.
Entstanden im Umfeld der links engagierten Filmcooperative Zürich, ergänzt der Film die anderen Werke um einen zentralen, dort ausgeblendeten Aspekt: Der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz beruhte massgeblich auf der Ausbeutung ausländischer Arbeiter:innen, die unter teilweise unmenschlichen Bedingungen lebten und arbeiteten. Gedreht in einer Phase wachsender gesellschaftlicher Debatten über Migration, Familiennachzug und «Überfremdung» steht Arbeiterehe für einen neuen, kritischen Blick auf Migration und Arbeit und verdeutlicht im vorliegenden Zusammenhang auch, wer nicht über die Mittel der Filmproduktion verfügte und damit oft unsichtbar blieb.
Arbeiterehe, Robert Boner, 1973, CH

Screenshot, Kennet Sie d'Erklärig vo Bern? (Kennen Sie die Erklärung von Bern?), Strassenumfrage vom 16.11.1984, Zürich, Schweizerisches Sozialarchiv

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Screenshot, Kennet Sie d'Erklärig vo Bern? (Kennen Sie die Erklärung von Bern?), Strassenumfrage vom 16.11.1984, Zürich, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Kennet Sie d'Erklärig vo Bern? (Kennen Sie die Erklärung von Bern?), Strassenumfrage vom 16.11.1984, Zürich, Schweizerisches Sozialarchiv
Kennet Sie d’Erklärig vo Bern (1970) zeigt eine dokumentarische Strassenumfrage, die von der entwicklungspolitischen NGO Erklärung von Bern (EvB) durchgeführt wurde, der heutigen Public Eye. Der Film war Teil der frühen Öffentlichkeitsarbeit der Organisation, die sich seit ihrer Gründung 1968 für globale Gerechtigkeit und eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Schweiz im Welthandel einsetzt. Passant:innen werden gefragt, ob sie die «Erklärung von Bern» kennen. Dieses einfache Vorgehen bildet den Ausgangspunkt für eine kritische Reflexion über Nord-Süd-Ungleichheiten und die wirtschaftlichen Verflechtungen der Schweiz mit der sogenannten «Dritten Welt».
Kennet Sie d'Erklärig vo Bern?, 1984, CH
Anders als klassische Informationsfilme im Auftrag von Staat oder Wirtschaft vertritt Kennet Sie d’Erklärig vo Bern einen dezidiert politischen Standpunkt. Er ist ein frühes Beispiel für das entwicklungspolitische Engagement von NGOs, Kirchenkreisen und Basisgruppen in der Schweiz der 1970er-Jahre.

Standaktion der Erklärung von Bern beim Spalentor in Basel, Ende 1970er Jahre (Foto: unbekannt), Schweizerisches Sozialarchiv
Für die Publikation Nützliche Filme: Zürcher Stadt-, Land-, Filmgeschichten verfasste Heidi Brunner einen Artikel zum Thema Kolonialität im Filmarchiv, zudem wurde ein historischer Text von Hans Richter wiederveröffentlicht und mit einer Einführung von Yvonne Zimmermann versehen, online zu finden in Repérages – Zeitschrift der Cinémathèque suisse.
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