
Nur wenige Auftragsfilme setzten sich explizit mit der Situation von Frauen auseinander, und noch seltener waren Frauen an deren Entstehung beteiligt. Mit Die Frau in der Schweizer Industrie (1946) und Die Schweizer Frau an der Arbeit (1958) präsentiert die Ausstellung zwei Ausnahmen. Ergänzt werden diese mit Werbefilmen der Maggi und der Pro Senectute aus dem gleichen Zeitraum, die implizit auch das Spannungsfeld von Erwerbs- und Hausarbeit sowie die damit verbundenen Geschlechterrollen und Lebensentwürfe thematisieren. Den Abschluss bildet ein Video zum Frauenstreik von 1991, das kompromissloser als die früheren Filme den Kampf um Gleichstellung, Lohngleichheit und die Anerkennung unbezahlter Arbeit dokumentiert.

Fotogramm, Die Frau in der Schweizer Industrie, Richard Brewing, 1946, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Frau in der Schweizer Industrie, Richard Brewing, 1946, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Frau in der Schweizer Industrie, Richard Brewing, 1946, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Frau in der Schweizer Industrie, Richard Brewing, 1946, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Frau in der Schweizer Industrie, Richard Brewing, 1946, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Frau in der Schweizer Industrie, Richard Brewing, 1946, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Frau in der Schweizer Industrie, Richard Brewing, 1946, Cinémathèque suisse
«Eine Filmproduzentin leistet Pionierarbeit für den schweizerischen Dokumentarfilm.»
Zeitungsartikel, ca. 1960
Die in Zürich niedergelassene Berta Hackl-Schweizer gehörte nicht nur zu den Pionier:innen der Schweizer Filmproduktion, sondern war in jener Zeit auch die einzige weibliche Produzentin. 1929 übernahm sie das fünf Jahre zuvor gegründete Familienunternehmen Turicia Film AG. In einer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Kameramann Richard Brewing produzierte Hackl-Schweizer bis in die 1960er Jahre zahlreiche Dokumentar-, Kultur-, und Werbefilme, die erfolgreich im In- und Ausland gezeigt wurden.
Eine Filmproduzentin leistet Pionierarbeit für den schweizerischen Dokumentarfilm, Zeitschrift, Cinémathèque suisse

Eine Filmproduzentin leistet Pionierarbeit für den schweizerischen Dokumentarfilm, Zeitschrift, Cinémathèque suisse
Turicia-Film A.-G., Zürich, Zeitschrift, Cinémathèque suisse

Turicia-Film A.-G., Zürich, Zeitschrift, Cinémathèque suisse

Der Film Die Frau in der Schweizer Industrie (1946) ist neben Frauen im helvetischen Mosaik (1961) und Die Fabel vom schwachen Geschlecht (1968) eines von drei Werken der Turicia Film AG, die sich explizit der Erwerbstätigkeit von Frauen widmen. Wie die später entstandenen Filme bietet er einen Querschnitt durch die Arbeitswelten von Frauen, von der Schuh- und Uhrenindustrie über die Chemiefabriken bis hin zur Seidenweberei und Handstickerei.
Die Frau in der Schweizer Industrie, Richard Brewing, 1946, CH
La Femme dans l'industrie suisse, Richard Brewing, 1946, CH
Die Frau in der Schweizer Industrie entstand vermutlich für den Dritten Schweizerischen Frauenkongress 1946 in Zürich, wo er erfolgreich aufgeführt wurde. In späteren Jahren zeigten Frauenvereine den Film an ihren Anlässen. So kündigt etwa Die Staatsbürgerin, das Mitteilungsblatt des Frauenstimmrechtsvereins Zürich, am 11. Oktober 1948 eine Aufführung anlässlich des Besuchs einer schwedischen Frauenrechtsorganisation an.

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949, Cinémathèque suisse
1949 produzierte die Condor-Film A.G. eine Imagefilm für das im Kemptthal ansässige Unternehmen Maggi. Die Fabrikation von Maggis Produkten präsentiert die Herstellung von Suppenwürfeln und der bekannten Maggi’s Würze. Wie die meisten Industriefilme fokussiert der Film auf die Produktionsprozesse. Arbeiter:innen bleiben unsichtbar und historische Kontexte unausgesprochen. Einige Aussagen machen jedoch deutlich, dass die Industrialisierung der Lebensmittelproduktion Frauen in der Hausarbeit entlasten sollte und ihnen gleichzeitig neue Möglichkeiten der Erwerbsarbeit bot. Seit den Anfängen beschäftigte Maggi zu einem Grossteil Frauen.
«Liebevolle hausfrauliche Betreuung erfahren auch die Blattgemüse. Alle schadhaften oder unansehnliche Teile werden weggeschnitten. Nichts bleibt dem gewissenhaft prüfenden Auge verborgen.»
Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949
«Durch das Vorkochen der Erbsen, Bohnen usw. wird die kurze Kochzeit von Maggis Suppen ermöglicht und dadurch der Hausfrau Zeit, Arbeit und Brennmaterial erspart.»
Die Fabrikation von Maggis Produkten, 1949

Verpackungsarbeiten von Maggi-Produkten am Fliessband, Kemptthal, um 1965 (Foto: Jacques Ritz), Schweizerisches Sozialarchiv
Die Fabrikation von Maggis Produkten, Heinrich Fueter, 1949, CH

Fotogramm, Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, Cinémathèque suisse
1958 fand in Zürich die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (Saffa) statt. In der Ausstellungshalle Lob der Arbeit wurde das eigens für die Ausstellung produzierte Werk Die Schweizerfrau bei der Arbeit präsentiert, das die Berufstätigkeit von Frauen aus einer historischen Perspektive betrachtet. Wie auch im Film von Berta Hackl-Schweizer verweist die Erzählstimme stolz auf den Beitrag von Frauen zur Wirtschaft, beschreibt das Zusammenspiel von Maschine, Werkzeugen und Personen als etwas Natürliches und Organisches und weist den verschiedenen Arbeiten vermeintlich weibliche und männliche Eigenschaften zu. Mit der Journalistin Trudi Greiner und der Schauspielerin Ellen Widmann in Die Frau in der Schweizer Industrie sind dies die einzigen Auftragsfilme dieser Periode mit weiblichen Erzählerinnen.
«In der Tricotageindustrie fand sie bei einer Arbeitsgruppe ein Stück angewandter Psychotechnik. Gruppenarbeit heisst an einem Produkt Hand in Hand schaffen. Diese Gruppenarbeit ermöglicht eine Steigerung der Leistung und wirkt erzieherisch, indem sich die Arbeiterin zwangsläufig ihren Kolleginnen anpassen muss und so in der Gemeinschaft arbeiten lernt.»
Die Frau in der Schweizer Industrie, 1946
«Selbst auf dem männlichen Gebiet der Feinmechanik wird ihre Präzision und Geduld geschätzt. Hier arbeiten Auge, Hand und Maschine eng zusammen.»
Die Schweizerfrau an der Arbeit, 1958
Die Schweizerfrau an der Arbeit, Adolf Forter, 1958, CH
La femme suisse au travail, Adolf Forter, 1958, CH
1958 behandelt Die Schweizerfrau bei der Arbeit auch politische Themen wie Lohnungleichheit oder die Doppelbelastung durch Erwerbs- und Hausarbeit und formuliert zugleich mögliche Lösungsansätze. Zur Entlastung der Frauen propagiert der Film sowohl die Mitarbeit des Mannes im Haushalt als auch Teilzeitarbeit für die Frau.
«Hat es diese Frau nicht viel besser? Ihre Erwerbsarbeit füllt nicht den ganzen Tag aus. Mit ihrer Teilzeitarbeit kann sie zum Familieneinkommen beitragen ohne Kinder und Haushalt vernachlässigen oder ihre Kräfte überfordern zu müssen.»
Die Schweizerfrau bei der Arbeit, 1958

Screenshot, Eines Tages, Heinrich Fueter, 1958, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Eines Tages, Heinrich Fueter, 1958, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Eines Tages, Heinrich Fueter, 1958, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Eines Tages, Heinrich Fueter, 1958, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Eines Tages, Heinrich Fueter, 1958, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Eines Tages, Heinrich Fueter, 1958, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Eines Tages, Heinrich Fueter, 1958, Schweizerisches Sozialarchiv
Eines Tages (1958), produziert von der Condor Film AG im Auftrag der Pro Senectute, beschäftigt sich mit Pensionierung und Alter. Er schildert aus der Perspektive eines frisch pensionierten Buchhalters die Herausforderungen des Übergangs. Nach Ende seiner Erwerbsarbeit entdeckt der Mann die Freuden des Grossvaterseins und überwindet so seine Depression. Als jedoch seine Frau krankheitsbedingt ausfällt, greift die Pro Senectute ein und organisiert eine junge Frau als Haushaltshilfe. Der Film dokumentiert damit auch die unterschiedlichen Lebensläufe von Frauen und Männern in einer kapitalistisch und patriarchalisch organisierten Gesellschaft.
Eine Tages, 1958, CH
Der Aufstand gilt dem Patriarchat Frauenstreik - 14. Juni 1991, 1991, CH

Screenshot, Der Aufstand gilt dem Patriarchat, Frauenstreik - 14. Juni 1991, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Der Aufstand gilt dem Patriarchat, Frauenstreik - 14. Juni 1991, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Der Aufstand gilt dem Patriarchat, Frauenstreik - 14. Juni 1991, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Der Aufstand gilt dem Patriarchat, Frauenstreik - 14. Juni 1991, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Der Aufstand gilt dem Patriarchat, Frauenstreik - 14. Juni 1991, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Der Aufstand gilt dem Patriarchat, Frauenstreik - 14. Juni 1991, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Der Aufstand gilt dem Patriarchat, Frauenstreik - 14. Juni 1991, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, "Der Aufstand gilt dem Patriarchat" Frauenstreik - 14.Juni 1998, Schweizerisches Sozialarchiv
Der Frauenstreik 1991 war die grösste öffentliche Mobilisierung seit dem Landesstreik 1918 und findet seither jährlich am 14. Juni statt. Das Video Der Aufstand gilt dem Patriarchat zeigt im Vergleich zu den früheren Filmen neue, radikalere Protestformen und Ausdrucksweisen nach der Zweiten Frauenbewegung der 1960er und 1970er Jahre. Visuell vermittelt das Video hauptsächlich Eindrücke des Demonstrationstags: die Kundgebung, die Reden, verschiedene Standaktionen oder eine Solidaritätsaktion in einem Warenhaus mit den dort beschäftigten Frauen. Mindestens so wichtig ist der Kommentar, dessen dezidiert politische Stossrichtung aus einer Kaskade der bestehenden Benachteiligungen von Frauen besteht.
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