AusstellungenNewsAbout
Vorheriger Raum
Ausstellung anschauen

Städtische Selbstdarstellungen

Nächster Raum
Impressum

Städtische Selbstdarstellungen

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

In den 1960er Jahren produzierte der städtische Verkehrsverein zwei äusserst erfolgreiche «Zürich-Filme», die im Jahresbericht 1966 unter «Unser Werbeprogramm» aufgeführt wurden. Tourismusfilme warben mit bekannten Bildmotiven für die Förderung dieses gesamtschweizerisch bedeutenden Wirtschaftszweiges. So zeigen auch Zürcher Impressionen (1961) und …via Zürich (1967) Wahrzeichen und lokale Schauplätze – Bahnhofstrasse, Paradeplatz, Flughafen, See, Börse oder Oper –, die sowohl die Beschaulichkeit als auch die Prosperität und Modernität Zürichs symbolisieren.

Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, CH

Impressions d'une ville – Zurich, Hans Trommer, CH, 1961

Zürcher Impressionen entstand anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Verkehrsvereins Zürich und wurde von der Condor-Film AG unter Leitung des Produzenten Heinrich Fueter realisiert. Mit dem Regisseur Hans Trommer, den Drehbuchautoren Richard Schweizer und Kurt Guggenheim sowie Otto Ritter an der Kamera waren prominente Vertreter des alten Schweizer Films beteiligt. Der Film zeigt den Verlauf eines Tages in orchestralen, aber wortlosen Bildern; wiederkehrende Figuren wie ein Hochzeitspaar strukturieren die assoziative Montage. Die zeitliche Struktur und aus Fahrzeugen – Tram, Zug, Schiff oder der Standseilbahn «Polybahn» – gefilmte Kamerafahrten erinnern an Stadtfilme der 1920er Jahre, etwa an Walter Ruttmanns Berlin – Sinfonie der Grossstadt (1927).

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

Fotogramm, Zürcher Impressionen, Hans Trommer, 1961, Cinémathèque suisse

Die Jahresberichte des Verkehrsvereins dokumentieren den Vertrieb und die Aufführungsorte. Von …via Zürich zirkulierten 1967 insgesamt 86 16mm- und 20 35mm-Kopien, die mehrheitlich in Europa, teils aber auch darüber hinaus verliehen wurden. Rezensionen grosser Tageszeitungen lobten sowohl die ästhetische Qualität des Films als auch seinen erfolgreichen Einsatz als Werbemittel für Zürich.

…via Zürich (1967) entstand wenige Jahre später unter der Regie von Alexander J. Seiler, Rob Gnant und June Kovach, die seit den frühen 1960er Jahren – insbesondere mit dem kritischen Dokumentarfilm Siamo italiani (1964) – die Entwicklung einer neuen Ästhetik und politischen Ausrichtung des Schweizer Films prägten.

…via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, CH

«Zürich und sein Flughafen» war der Arbeitstitel des Films. Ein Exposé der Auftraggeber Verkehrsverein Zürich, Swissair und Amt für Luftverkehr wünscht einen Dokumentarfilm, der für Zürich als internationales Fremdenverkehrs-, Geschäfts- und Kulturzentrum, die Swissair als Zubringerin sowie den Flughafen Kloten als Tor zur Stadt wirbt.

Der Film greift die bereits aus Zürcher Impressionen bekannten Bildmotive auf, erprobt jedoch eine neue formale Gestaltung. Abstrakten Aufnahmen aus dem Flughafen folgen urbane Szenerien, Wahrzeichen wie dem Grossmünster werden verfremdende Nahaufnahmen und schnelle Kamerafahrten gegenübergestellt. Begleitet werden die Bilder von urbanen Gesprächskulissen und Gesprächsfetzen auf der vielschichtigen Tonspur.

Fotogramm, ...via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, Cinémathèque suisse

Fotogramm, ...via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, Cinémathèque suisse

Fotogramm, ...via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, Cinémathèque suisse

Fotogramm, ...via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, Cinémathèque suisse

Fotogramm, ...via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, Cinémathèque suisse

Fotogramm, ...via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, Cinémathèque suisse

Fotogramm, ...via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, Cinémathèque suisse

Fotogramm, ...via Zürich, Alexander J. Seiler, Rob Gnant, June Kovach, 1967, Cinémathèque suisse

Die formale Gestaltung, welche die ökonomisch geprägte Darstellung der Stadt ironisiert und unterläuft, zeugt von der Ambivalenz gegenüber der Auftragsfilmproduktion, wie sie insbesondere Alexander J. Seiler wiederholt thematisierte. Die Bahnhofstrasse erscheint als Bühne des Konsums, die Stadt selbst als glänzende Ware, Zürich wird zum Durchgangsort und zur Projektionsfläche. Viele Regisseur:innen dieser Zeit rangen zwischen den Anforderungen der Auftraggeber:innen und ihrem eigenen künstlerischen und politischen Anspruch.

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Wenige Jahre später entstanden ganz andere Darstellungen der Stadt Zürich, die sich dem in diesen Tourismusfilmen repräsentierten Bild entgegensetzten. Wie in anderen europäischen Städten rebellierten Jugendliche um 1980 gegen die bürgerliche Spiessigkeit. Protestierend gegen die in Zürcher Impressionen und …via Zürich gezeigten etablierten Institutionen der Oper und Museen, forderten sie mehr Geld und Räume für neue kulturelle Ausdrucksformen und selbstverwaltete Betriebe. In Grafik, Mode und Musik entlud sich in jenen Jahren eine grosse Innovationskraft, die sich auch aus der Unzufriedenheit der Jugend nährte. Die Jugendunruhen ermöglichten kreative Experimente wie das Kulturzentrum Wohlgroth, eine der grössten Hausbesetzungen der Schweiz.

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

Screenshot, Zureich, Red Fox Underground, 1992, Schweizerisches Sozialarchiv

In diesem Umfeld entstand 1992 das Video Zureich. Der Titel des Werks ist identisch mit dem auch vom Gleisfeld des Zürcher Hauptbahnhofs her gut sichtbaren, riesigen Schriftzug auf dem besetzten Gebäude.  Mit einfachsten Mitteln unternimmt das Video einen Streifzug durch die Stadt und kontrastiert dabei Geliebtes mit Verhasstem. Zu letzterem gehören das Shopville, die Bahnhofstrasse oder der pompöse Neubau der Börse, Symbole von herzlosem Kommerz und bösen Kapitalismus. Als Gegensatz dazu präsentiert Zureich verschiedene Hausbesetzungen, zeigt den politischen Widerstand auf der Strasse und die kulturellen Leistungen der Häuserkampfbewegung. Zureich zeigt exemplarisch, wie sich die Jugendbewegung des neuen Mediums Video bediente, um ihre Kritik und Forderungen zu formulieren, sich selbst zu dokumentieren und sich in gesellschaftspolitische Diskurse einzubringen.

Zureich, 1992, CH

Auf der Webseite der Cinémathèque suisse finden sich weitere historische Schweizer Tourismusfilme. Für die Publikation Nützliche Filme: Zürcher Stadt-, Land-, Filmgeschichten verfasste Felix Aeppli einen Artikel zu Zürcher Tourismusfilmen, online zu finden in Repérages – Zeitschrift der Cinémathèque suisse.