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Sirenen-Eiland (1981)

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Sirenen-Eiland (1981)

Eigenwillige und poetische Filmwelten: Sirenen-Eiland eröffnet Kino im MoMA

Isa Hesse-Rabinovitch (1917–2003) hatte sich bereits als Illustratorin und Fotografin einen Namen gemacht, als sie Ende der 1960er Jahre ihre Filmkarriere begann. Ihre Kurz- und Langfilme zeichnen sich durch eine grosse stilistische Experimentierfreude aus. Als eine der ersten Regisseurinnen der Schweiz etablierte sie sich rasch international und pflegte einen intensiven Austausch mit feministischen Filmemacher:innen im In- und Ausland.

Sirenen-Eiland (1981) war der erste abendfüllende Film von Isa Hesse-Rabinovitch. Inspiriert von der mythologischen Figur der Sirene, verknüpft der in New York, Paris und der Schweiz gedrehte Film assoziativ Orte sowie Tänze, Gesänge und Gedichte unterschiedlicher Darsteller:innen. Der Film wurde ein grosser Erfolg und auf zahlreichen Festivals weltweit gezeigt. In dem Buch Das grosse Spiel Film (1998) erinnert sich Isa Hesse-Rabinovitch an die Filmvorführung im Kino im MoMA.

«New York, 21. November 1982: Ich lese die Titelseite der New York Times: ‹Vorstellung von Sirenen-Eiland ausverkauft.› Ich habe Lampenfieber. Mit meinem Film wird das neue Kino im Museum of Modern Art eröffnet.»

Isa Hesse-Rabinovitch, Das grosse Spiel Film, 1998

Sirenen-Eiland verzichtet auf Narration und einen logischen Handlungsablauf und besticht durch eine eigenwillige poetische und ausdrucksstarke Ästhetik.

«Zufalls-Begegnungen mit Frauen und Orten, die mich zur Zeit der Filmidee beindrucken. Diese Frauen gestalten durch ihre Präsenz und ihre Lieder den Inhalt des Filmes. Durch ihre Gesänge verweben sie den Film zu einer Film Oper.»

Isa Hesse-Rabinovitch, Archivdokument, ohne Datum

 

Archivdokument, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Künstler:innen wie Rosita Rayas, Manon, Penny Safranek, Lutze, Valoise Mickens, Bruce Mill Holland, Antoinette Novak oder Irène Speichinger treten in Sirenen-Eiland auf, tanzen, singen und rezitieren Gedichte über die Liebe und den Tod. Der Film bietet den verschiedenen künstlerischen Ausdrücken eine Bühne.

Auf dem Plakat von Sirenen-Eiland ist eine der Protagonist:innen, die Schlangentänzerin Rosita Rayas, zu sehen. Rosita Rayas kam während den Dreharbeiten ums Leben. Isa Hesse Rabinovitchs späterer Film Schlangen-Zauber (1984) beschäftigt sich mit dem Tod dieser Tänzerin.

«Isa, ich gebe dir meine Gedichte, weil du keine Richterin bist wie die anderen, die es noch nicht verstanden haben – und weil du mein kleiner Fellini bist!»

Corinne St. Laurent, Das grosse Spiel Film, 1998

Diese Aussage stammt von der queeren Dichterin Corinne St. Laurent, die in Sirenen-Eiland auftritt. Im Folgenden ist sie auf dem ersten Bild rechts oben zu sehen, sie trägt eine rote Blume hinter dem Ohr.

Foto, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Foto, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Foto, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981

Foto, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Pressebild, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Cinémathèque suisse

Foto, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Foto, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Pressebild, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Cinémathèque suisse

Foto, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Pressebild, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Cinémathèque suisse

Im Vergleich zu anderen feministischen Filmen dieser Zeit thematisiert Sirenen-Eiland nicht explizit Sexismus und patriarchale Strukturen. In Sirenen-Eiland und auch in weiteren Filmen bricht Isa Hesse-Rabinovitch jedoch kompromisslos mit bestehenden Kategorien und zeigt eine radikale Offenheit gegenüber verschiedenen Lebensweisen und Ausdrucksformen. Realisiert wurde der Film von einem mehrheitlich mit Frauen besetzten Team.

In einem Gespräch mit Su Meili, die ebenfalls bei Sirenen-Eiland mitwirkte, hielt Isa Hesse-Rabinovitch in der Zeitschrift Frauen und Film 1980 fest, wie wichtig es für sie war, mit anderen Frauen zusammenzuarbeiten.

«Es war von Anfang an irgendwie selbstverständlich für mich, mit Frauen zusammenzuarbeiten. […] Ich bin selber eine Frau. Und im Technik-Bereich: Das ist eine konsequente Haltung, die ich von mir verlange. Das empfinde ich nur allzunormal. Das Einzige, was ich beitragen kann, ist doch, Frauen zur Arbeit beizuziehen, sie in diesem Sinne zu unterstützen und möglichst viel gemeinsame Erfahrung zu ermöglichen; sonst bleibt alles nur Theorie.»

Isa Hesse-Rabinovitch, Frauen und Film, 1980

Bereits ihr Erstlingswerk Spiegelei zeigte Isa Hesse-Rabinovitch 1972 am ersten Frauenfilmfestival in New York. Inspirationen und Ideen aus dem Ausland brachte sie zurück in die Schweiz. So organisierte sie 1975 das erste Frauenfilmfestival der Schweiz, das auch Schweizer Regisseurinnen jener Zeit zusammenbrachte, darunter Jacqueline Veuve, Marlies Graf, June Kovach, Yvonne Escher, Lucienne Lanaz, Regine Bebié oder Nina Stürm. Mit einigen dieser Regisseurinnen, denen sie auch freundschaftlich verbunden war, gründete Hesse-Rabinovitch das Netzwerk CH-Filmfrauen. Ihre Bedeutung für die Schweizer Filmgeschichte würdigte die Filmemacherin Anka Schmid im Dokumentarfilm Das Grosse Spielfilm (2009), der mit seinem Titel auf Isa Hesse-Rabinovitchs Buch verweist.

Fotografie Dreharbeiten, Cinémathèque suisse

Foto Anlass, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Foto Anlass, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Die Künstlerin, Fotografin und Kamerafrau Deidi von Schaewen (geb. 1941) verantwortete – neben Babette Mangold, Steff Gruber und André Bucher – in Sirenen-Eiland die Kamera. Ihre Karriere als Kamerafrau begann Deidi von Schaewen in New York mit dem Film Injun Fender (1973) von Robert Cordier. Bekannt wurde sie später durch ihre Arbeit als Architekturfotografin. In Sirenen-Eiland zeigt sich dieser geschulte Blick in beeindruckend komponierten Bildern, die von den Dächern bis in die Katakomben die Aussen- und Innenräume von New York und Paris einfangen.

Fotografie Dreharbeiten, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Im Interview erzählt Deidi von Schaewen von ihrer Beziehung zu Isa Hesse-Rabinovitch und deren spontanen und intuitiven Arbeitsweise.

Das Titelblatt des Buches Das grosse Spiel Film zeigt Deidi von Schaewen und Isa Hesse-Rabinovitch beim Filmen am Strand. Isa Hesse-Rabinovitch folgte der spontanen Idee Deidi von Schaewens, Möwen zu filmen.

Foto, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Cinémathèque suisse

Fotografie Dreharbeiten, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Fotografie Dreharbeiten, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Für die Aufnahmen in den Katakomben von Paris, an die sich Deidi van Schaewen erinnert, fertigte Hesse-Rabinovitch Skizzen an, die in ihrem in der Zentralbibliothek Zürich archivierten Nachlass einsehbar sind. Oft entwickelte sie ihre Filme anhand von Plänen, Diagrammen, Storyboards oder Collagen anstatt Drehbücher zu schreiben.

Archivdokument, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Archivdokument, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich

Pressebild, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Cinémathèque suisse

Pressebild, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Cinémathèque suisse

Pressebild, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Cinémathèque suisse

«NEW YORK
Ich fliege mit den Armen die meine Flügel sind.
Im Glitzern des Broadway bin ich so jung
und habe die tausendjährigen Falten der Trinker
und lege das verjährte Fett meiner Schenkel auf das Fahrrad,
das mein Mercedes ist»

Lutze, Das Grosse Spiel Film, 1998

Kontaktabzug, Sirenen-Eiland, Isa Hesse-Rabinovitch, 1981, Zentralbibliothek Zürich